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Mein Interesse gilt der Geldtheorie und Geldgeschichte als Fundament einer Analyse moderner Wirtschaft, den Konstitutionen und Entwicklungen des Kapitalismus, dem Zusammenhang von privater Geldschöpfung und Ungleichheit („Keystroke-Kapitalismus“) und den sozialontologischen Grundlagen soziologischer Weltbeobachtung, speziell der Praxistheorie.

Am Hamburger Institut für Sozialforschung arbeite ich in der Forschungsgruppe Monetäre Souveränität an einer Weiterentwicklung der Beziehungssoziologie des Geldes.

Mein Interesse gilt der Geldtheorie und Geldgeschichte als Fundament einer Analyse moderner Wirtschaft, den Konstitutionen und Entwicklungen des Kapitalismus, dem Zusammenhang von privater Geldschöpfung und Ungleichheit („Keystroke-Kapitalismus“) und den sozialontologischen Grundlagen soziologischer Weltbeobachtung, speziell der Praxistheorie.

Am Hamburger Institut für Sozialforschung arbeite ich in der Forschungsgruppe Monetäre Souveränität an einer Weiterentwicklung der Beziehungssoziologie des Geldes.

Arbeitsfelder

Beziehungssoziologie des Geldes

Ziel meines aktuellen Projekts am Hamburger Institut für Sozialforschung ist es, die Potenziale eines beziehungstheoretischen Zugriffs auf Geld zu entfalten und zu prüfen. Damit schließe ich an Vorarbeiten in vorherigen Projekten an, zu denen sich unten kurze Beschreibungen finden („Keystroke-Kapitalismus“ und „Praxistheorie des Kredits“).

Der beziehungssoziologische Ansatz baut auf Kredittheorien des Geldes aus der heterodoxen Ökonomik. Die Ausgangsbeobachtung lautet: modernes Geld besteht aus Bankschulden, genauer gesagt aus in Bankbilanzen registrierten Gläubiger-Schuldner-Beziehungen. Solche Beziehungen stehen nicht als solitäre Schuldkontrakte für sich, sondern sind Teil eines sozialen Geflechts aus sich wechselseitig bedingenden und durch Bankbilanzen ins Verhältnis gesetzten Verbindlichkeiten. Geld wird deswegen nicht als Tauschmittel oder Zahlungsmedium untersucht, sondern als dieses „Geflecht“ aus Kreditbeziehungen.

Nachdem sich vorangegangene Projekte auf die theoretischen Grundlagen und Misstrauensinfrastrukturen konzentriert und die Unsichtbarkeit monetärer Verteilungseffekte in traditionellen Ansätzen der Kapitalismusforschung problematisiert haben, folgt nun die Arbeit an einer politischen Soziologie des Geldes. Details finden sich in der vollständigen Projektbeschreibung auf der Seite des Hamburger Instituts.

Keystroke-Kapitalismus: Geldschöpfung und Ungleichheit

Aaron Sahr - Keystroke-Kapitalismus
Dr. Aaron Sahr - Ungleichheit Auf Knopfdruck

Keystroke-Kapitalismus
Ungleichheit auf Knopfdruck
Hamburger Edition 2017

In meiner zweiten Monographie Keystroke Kapitalismus. Ungleichheit auf Knopfdruck hat sich mein Blick von der Geldtheorie und dem Prozess der Finanzialisierung auf Kapitalismustheorie und Einkommens- und Vermögensungleichheit erweitert.

Keystroke-Kapitalismus nimmt den Faden von Das Versprechen des Geldes auf und zeigt, dass die Fähigkeit von privaten Banken, nach eigenen Profitkalkulationen Geld fast unbehelligt von behördlicher Steuerung auf Knopfdruck zu erzeugen, in der Ungleichheitsforschung bisher zu wenig beachtet wurde. Es macht sich deswegen auf die Suche nach Gründen: Gängige basale Konzeptionen von Kapitalismus schließen es faktisch bereits theoretisch aus, diesen empirisch eindrücklichen Zusammenhang angemessen sichtbar zu machen.

Das Buch arbeitet diesen gemeinsamen blinden Fleck verschiedener theoretischer Angebote heraus und verdeutlicht gleichzeitig die Mechanismen, durch die eine Minderheit besonders wohlhabender Haushalte durch die Geldordnung selbst bevorzugt wird.

Keystroke-Kapitalismus bemüht sich, den politischen Gestaltungsraum einer Neuordnung der Geldverhältnisse zu vermessen und weist auf einige theoretische Schwachstellen wirtschaftssoziologischer Angebote hin. Das Buch stellt damit einen Versuch der Vermittlung zwischen im engeren Sinne akademischen Reflexionen und dem Anspruch einer „öffentlichen Soziologie“ dar, der dennoch nicht auf Beiträge zu einer Erweiterung des fachlichen Forschungsstandes verzichtet.

  • Das Buch schaffte es auf die Shortlist des Hans-Matthöfer-Preises für Wirtschaftspublizistik 2018.
  • Unter dem leicht veränderten Titel „Ungleichheit auf Knopfdruck – Die Spielregeln des Keystroke-Kapitalismus“ ist im März 2019 eine Lizenzausgabe bei der Bundeszentrale für politische Bildung erschienen.

Vorarbeiten für dieses Buch

  • Reichtum aus Feenstaub. Das Free-Lunch Privileg im Keystroke-Kapitalismus. In: Bude, Heinz/Staab, Philipp (Hg.), Ungleichheit im Kapitalismus, Campus, 2016, S. 25-44 (ebenfalls neu aufgelegt von der Bundeszentrale für politische Bildung).
  • Wären wir die besseren Banken? Zur Debatte um die Repolitisierung des Kreditgeldes. In: Widerspruch. 34(2015),66; S. 103-113.
  • Sehr kurze Kurzfassungen ist in Le Monde Diplomatique (mit Audio) erschienen.
  • In der Mediathek des Hamburger Instituts für Sozialforschung findet man außerdem einen Vortrag (Video) zu dem Thema aus dem Jahr 2016.

Praxistheorie des Kredits

Aaron Sahr - Das Versprechen Des Geldes

Das Versprechen des Geldes
Eine Praxistheorie des Kredits

Hamburger Edition 2017

Ein grundlegendes Interesse meiner Forschung zu Geld und Geldordnungen ist das Bemühen um eine Überwindung tauschtheoretischer Prägungen sozial- und kulturwissenschaftlicher Theorien monetärer Ökonomien. Dabei betone ich die Notwendigkeit sozialontologischer Reflexionen ebenso wie die eigenständige Relevanz makroskopischer Empirie.

Mit dem Geld nehme ich dabei keinesfalls nur eine beliebige Komponente ökonomischer Verhältnisse in den Blick. Tatsächlich ist Geld für mich ein theoretisches Scharnier, dessen Neujustierung das gesamte Rahmenwerk der Beobachtung ökonomischer Prozesse verändert. Erst durch den Einsatz von orthodoxen Lehrmeinungen abweichenden Geldtheorien lässt sich, so meine Überzeugung, die Geldordnung als „Maschinenraum“ kapitalistischer Ökonomien verstehen und in ihren Funktionsweisen, Entwicklungen und Effekten genau analysieren.

Erste Befunde habe ich in meiner Dissertationsschrift Das Versprechen des Geldes. Eine Praxistheorie des Kredits zusammengeführt, theoretisch zu fundieren versucht und empirisch entfaltet. Das Buch plädiert für eine Umstellung des soziologischen Geldbegriffs von der Warenanalogie auf die Kredittheorie des Geldes und fragt, was das forschungspraktisch bedeutet. Auf dieser Grundlage wird Geld als ein globales Beziehungsgeflecht interdependenter Versprechen in den Blick genommen – als „Praxis des Kredits“ sozusagen.

Dieses Beziehungsgeflecht ist hochgradig dynamisch; es kontrahiert durch die Rückzahlung von Schulden und expandiert durch die Neuemission von Geld bei der Kreditvergabe. Die These lautet, dass sich entscheidende Strukturmerkmale modernen Geldes auf dieser theoretischen Basis besser erfassen lassen; Strukturmerkmale, die in diesem Buch als „paraökonomische“ und „euphorische“ Konfiguration der Kreditpraxis rekonstruiert werden.

Reaktionen auf dieses Buch

  • Das Versprechen des Geldes schaffte es 2017 auf die Shortlist des „Opus Primum“ Preis für wissenschaftliche Nachwuchspublikationen der Volkswagen Stiftung.
  • Es wurde in der Frankfurter Allgemeine Zeitung und im Deutschlandfunk rezensiert.
  • Akademische Rezensionen erschienen in renommierten Zeitschriften, u.a. im European Journal of Sociology, der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, dem Suiss Journal of Sociology oder der Zeitschrift für Theoretische Soziologie.

Aus diesem Buch hervorgegangene Beiträge

Der Aufsatz Von Vermögen zu Versprechen in der Zeitschrift für Theoretische Soziologie bündelt das Argument des Buches zu einer „Beziehungssoziologie des Geldes“.

  • Von Vermögen zu Versprechen. Für eine beziehungstheoretische Soziologie des Geldes. In: Zeitschrift für theoretische Soziologie 1/2018, S. 40-61.

Der Aufsatz kann als eine Art Zusammenfassung des Buches verstanden werden und findet sich hier.

Weitere Spezifizierungen findet man in

  • Kredit, Kapital, Kaufkraft. Dimensionen der Geldsoziologie. In: Zeitschrift für theoretische Soziologie 1/2018, S. 119-128.

Publikationen

Monografien

Keystroke-Kapitalismus. Ungleichheit auf Knopfdruck. Hamburger Edition 2017.

  • 2019 als Lizenzausgabe der Bundeszentrale für politische Bildung unter dem Titel „Ungleichheit auf Knopfdruck. Die Spielregeln des Keystroke-Kapitalismus“ als Taschenbuch neu aufgelegt.
  • Auf der Shortlist des Hans-Matthöfer-Preis für Wirtschaftspublizistik 2018.
  • „Geisteswissenschaften International“ Auszeichnung durch den Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V. im Herbst 2019

Das Versprechen des Geldes. Eine Praxistheorie des Kredits. Hamburger Edition 2017.

  • Auf der Shortlist für den „Opus Primum“ Preis für die beste wissenschaftliche Nachwuchspublikation 2017.
  • Gegenstand eines Diskussionsforums der Zeitschrift für theoretische Soziologie (Jg. 7, H. 1).
  • Rezensionen u.a. in der KZfSS, dem European Journal of Sociology, dem Suiss Journal of Sociology und der Frankfurter Allgemeine Zeitung.

Herausgeberschaften

Perspektiven der Geldsoziologie. Themenheft des Mittelweg 36 28(3-4), Juni/Juli 2019 (Gastherausgeberschaft zusammen mit Philipp Degens).

Aufsätze und Sammelbeiträge

Zwischen Pflichten und Fiktionen. Zur politischen Dimension des Euro aus der Perspektive einer beziehungstheoretischen Geldsoziologie. In: Zeitschrift für Soziologie. 48(2019),3; S. 209-225.

Die Rückkehr des Geldes. In: Mittelweg 36 28(3-4), 2019, S. 3-49 (zus. mit Philipp Degens).

Kredit, Kapital, Kaufkraft. Dimensionen der Geldsoziologie. In: Zeitschrift für theoretische Soziologie 1/2018, S. 119-128.

Von Vermögen zu Versprechen. Für eine beziehungstheoretische Soziologie des Geldes. In: Zeitschrift für theoretische Soziologie 1/2018, S. 40-61.

Sind Banken Distributoren oder Produzenten von Geld? Eine Diskussion alternativer Theoriemodelle des Kreditsystems. In: Jürgen Beyer, Konstanze Senge (Hg.): Finanzmarktsoziologie. Entscheidungen, Ungewissheit und Geldordnung. Wiesbaden: Springer VS, 2018; S. 201-215.

Gesellschaft der Gäste. In: Soziale Welt, 86(2017), 1, S. S. 113 – 117 (zus. mit Philipp Staab).

Reichtum aus Feenstaub. Das Free-Lunch Privileg im Keystroke-Kapitalismus. In: Bude, Heinz/Staab, Philipp (Hg.), Ungleichheit im Kapitalismus, Campus, 2016, S. 25-44.

Wären wir die besseren Banken? Zur Debatte um die Repolitisierung des Kreditgeldes. In: Widerspruch. 34(2015),66; S. 103-113.

Von Richard Nixon zur 1.000.000.000.000-$-Münze. Kreditgeld als politische Verknappungsaufgabe. In: Mittelweg 36. 22(2013),3; S. 4-31.

Häuser, Händler und Helden. Über Kreditgeld, die Eurokrise und „Monopoly“-Politik. In: Mittelweg 36. 21(2012),5; S. 53-72.

Bahnhof der Leidenschaften. Zur politischen Semantik eines unwahrscheinlichen Ereignisses. In: Mittelweg 36. 20(2011),3; S. 23-48 (zus. mit Philipp Staab).

Varia

Geld aus dem Nichts. In: Der Freitag, 29.03.2018, S. 13.

Der wunderbare Geldschalter. In: Le Monde Diplomatique, September 2017, S. 2.

Vorträge

Aktuell

  • Coupling Money Grids in Europe – the Political Dimensions of Money from a Relationist Perspective. Vortrag auf dem Panel „‚Governing through Markets‘ – Governing Finance and Money in a Post-Crisis World“ auf dem 31st Annual Meeting der Society for the Advancement of Socio-Economics (SASE) an der New School, New York, 27. Juni 2019.
  • Gefallen und Vergeltung. Eine Beziehungssoziologie des (europäischen) Geldes. Vortrag im Soziologischen Kolloquium der Universität Duisburg-Essen, 22. Mai 2019.
  • Money, Capital, and Surplus – On Two Versions of a Theoretical Trinity. Vortrag auf dem Workshop des DFG-Forschungsnetzwerks Politics of Money in Hamburg, 22. November 2018.
  • Wie krisenanfällig ist der digitale Kapitalismus? Vortrag auf der Tagung #DigitalCapitalism der Friedrich Ebert Stiftung in Berlin, 07. November 2018.
  • Über Stabilität und Humanismus Sozialontologische Abwägungen zwischen Praxis und Prozess. Vortrag auf dem Soziologiekongress in Göttingen, 27. September 2018.
  • Schulden und Profite. Die Geldordnung des Keystroke-Kapitalismus, Vortrag im Forschungskolloquium „Ordnungen der Ungleichheit“ an der Universität Konstanz, 03. Juli 2018.
  • Geld auf Knopfdruck. Braucht der Kapitalismus eine Schuldnerberatung?, Keynote bei der Fachwoche Sozialberatung für Schuldner(innen) des Deutscher Caritasverband e.V., 26. Juni 2018.
  • Keystroke-Kapitalismus. Ungleichheit auf Knopfdruck, Vortrag im Kolloquium „Gesellschaftsanalyse und Gesellschaftskritik“ an der LMU München, 13. Juni 2018.
  • Keystroke Capitalism, Vortrag im Interdisziplinären Kolloquium der Europa-Universität Flensburg in der Reihe „Konflikt – Krise – Kritik“, 19.06.2018.
  • Ungleichheit auf Knopfdruck, Vortrag bei „Impuls. e.V.“ – Mitglied des Netzwerks Plurale Ökonomik an der Universität Erfurt, 06. Juni 2018.
  • From Pen Strokes to Keystrokes: the Production of Money in Early and Contemporary Capitalism, Vortrag auf der Konferenz „The Dynamics of Capitalism: Inquiries to Marx on the occasion of his 200th birthday” vom MPIfG (Köln) und Hamburger Institut für Sozialforschung, 04. Mai 2018.
  • Praxis des Geldes. Eine Einführung in Finanzmärkte, Auftaktvorlesung der Reihe „10 Years After the Crash“ auf Einladung des Vereins Möve. e.V. – Mitglied des Netzwerks Plurale Ökonomik an der Leuphana Universität Lüneburg, 24. April 2018.
  • Ungleichheit im Keystroke-Kapitalismus. Zur Politischen Ökonomie des Geldes, öffentlicher Abendvortrag bei der Gesellschaft für Soziologie an der Universität Graz, 20. März.2018.
  • Kapital auf Knopfdruck: Stehen wir vor einer dritten finanziellen Revolution?, öffentlicher Vortrag am DAI Heidelberg, 07. März 2018.

Vor 2018

  • Irreguläre Aneignung – Ungleichheit im Keystroke-Kapitalismus, Keynote auf der Jahrestagung des Vereins Monetative e.V., 11. November 2017.
  • Waren zwei eine zu viel? Finanzrevolutionen, Krisen und der Abschied von Marx, öffentlicher Vortrag bei der „Nacht des Wissens“ am Hamburger Institut für Sozialforschung, 04. November 2017.
  • Gibt es eine Praxistheorie sozialer Prozesse? Kartographie eine Problemlage, Vortrag bei dem Workshop „Theoretische und methodische Problemstellungen soziologischer Prozessforschung“ des Arbeitskreises „Historische Soziologie und soziologische Prozessforschung“ (Bielefeld), 18. Mai 2017.
  • Ungerechtigkeit auf Knopfdruck. Über Vermögen im Keystroke-Kapitalismus, Vortrag im Rahmen der Forumsveranstaltung zum Thema Gerechtigkeit an der Leuphana Universität Lüneburg, 3. Februar 2017.
  • Paraeconomic Wealth: Keystroke Capitalism as an Appropriative Structure, Vortrag auf dem Workshop “The Resilience of Finance Capitalism” am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, 5. Dezember 2016.
  • Minsky’s Challenge: Theorizing an Economy without Scarcity, Vortrag auf der 27. Jahrestagung der EAEPE “A New Role for the Financial System” in Genua, 19. September 2015.
  • Warum es nicht klug war, die Banken abzuschaffen: Überlegungen zur Restauration der europäischen Geldordnung, Vortrag auf der Konferenz „Soziologie der Finanzmärkte – Institutionelle Einbettung, organisationale Strukturen und Konturen einer Geldordnung“, Universität Hamburg, 21. März 2013.
  • Bahnhof der Leidenschaften Zur politischen Semantik eines unwahrscheinlichen Ereignisses, öffentlicher Vortrag in der Reihe „Stuttgart 21 – Reflexiv“ am HAU Theater in Berlin, 8. März 2011.

(Auswahl)

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